12.11.2017

1. Frauen-Bundesliga: Remis im Südbaden-Derby

SC Sand - SC Freiburg 2:2 (0:1)

Lesen Sie, was SC-Trainer Jens Scheuer nach dem Derby zu sagen hatte. Bild: Claus G. Stoll

Die Frauen des SC Freiburg und der SC Sand trennen sich am 8. Spieltag der Allianz-Frauen-Bundesliga im Südbaden-Derby mit 2:2 (0:1). Die zweimalige Sander Führung durch Verena Aschauer (24.) und Jana Vojtekova (58.) glichen Klara Bühl (55.) und Lina Magull (85.) aus.

Lesen Sie den Pressebericht von Felix Scharte, dem Pressesprecher Frauen- und Mädchenfußball.

Unentschieden im Südbaden-Derby

Lina Magull erzielte das 2:2 für den SC Freiburg. Bild: SDP


Die Frauen des SC Freiburg und der SC Sand trennen sich am 8. Spieltag der Allianz-Frauen-Bundesliga im Südbaden-Derby mit 2:2 (0:1). Die zweimalige Sander Führung durch Verena Aschauer (24.) und Jana Vojtekova (58.) glichen Klara Bühl (55.) und Lina Magull (85.) aus.
Bei stürmischem Wetter und Dauerregen war das Südbaden-Derby für die 725 Zuschauer eine extrem ungemütliche Angelegenheit. Allerdings nur, was die äußeren Bedingungen anging. Auf dem Platz entwickelte sich vom Anpfiff weg und über fast die gesamten 90 Minuten ein äußerst ansehnliches Allianz-Frauen-Bundesligaspiel. Der SC Freiburg, bei dem Carolin Simon aufgrund einer Erkältung fehlte, war dabei in den ersten 20 Minuten die klar überlegene Mannschaft und hätte breits früh in Führung gehen müssen. Nach einem sehenswerten Doppelpass mit Lina Magull tauchte Jobina Lahr in der dritten Minute frei vor dem Sander Tor auf. Lena Petermann, die für Anja Maike Hegenauer in der Startelf stand, hatte den Ball zuvor gedankenschnell durchgelassen. Lahr suchte direkt den Abschluss, ihren Linksschuss kratzte Carina Schlüter im Sander Tor aber aus dem rechten unteren Eck.
Starke Anfangsphase des Sport-Clubs
Der Sport-Club stellte die Gastgeberinnen durch frühes und aggressives Pressing vor große Probleme und fand über Diagonalverlagerungen aus der Abwehr immer wieder Freiräume im Rücken der Sander Abwehr. Nach einer solchen Verlagerung von Carolin Schiewe drang Giulia Gwinn nach acht Minuten über rechts in den Strafraum ein, ließ eine Verteidigerin ins Leere laufen und brachte den Ball mit links aufs Tor. Der Ball hätte wohl gepasst, hätte nicht die Sander Kapitänin Anne van Bonn noch ein Bein dazwischen gebracht und zur Ecke geklärt. Drei Minuten später war auch bei Lina Magulls Abschluss aus 16 Metern ein Sander Bein dazwischen.
Die Gastgeberinnen standen in der Anfangsphase extrem tief und lauerten auf Konter, die der Sport-Club aber nicht zuließ. Stattdessen wurde es nach 18 Minuten wieder vor dem Sander Tor gefährlich. Hasret Kayikci flankte den Ball von rechts flach nach innen, wo Lina Magull einschussbereit wartete. Erneut konnte Sand im letzten Moment klären.
Sand geht kurios in Führung
Nach etwa 20 Minuten beteiligte sich dann auch der SC Sand am Spiel. Gefährlich wurden die Gastgeberinnen dabei nach Standards. Wie gefährlich, zeigte Verena Aschauer. Die ehemalige Freiburgerin verwandelte eine Ecke von der rechten Seite auf kuriose Weise direkt zur Sander Führung. Ihr aufs lange Eck gezogener Ball senkte sich gefährlich aufs Tor, wo Sarah Puntigam versuchte, den Ball noch rauszuköpfen. Dabei sprang das Leder zuerst an die Latte, dann an Puntigams Rücken und von dort ins Tor (24.). Der Sport-Club schüttelte sich kurz und kam auf der Gegenseite beinahe direkt zum Ausgleich. Nach einer Ecke von Hasret Kayikci köpfte Lina Magull knapp am kurzen Pfosten vorbei (28.). Eine Minute später bediente Giulia Gwinn die im Strafraum freistehende Hasret Kayikci, die den Ball aus etwa zehn Metern über das Tor schoss. Für Lena Petermanns Abschluss zwei Minuten später war erneut bei Carina Schlüter Endstation.
Nach einer guten halben Stunde versuchte es Jana Vojtekova dann bei einem der seltenen Sander Angriffe aus 23 Metern direkt. Der Ball wurde länger und länger und hätte Laura Benkarth nicht noch die Fingerspitzen an den Ball gebracht, wäre er wohl im Freiburger Tor gelandet (33.). Zur Pause sah sich der Sport-Club trotz einer insgesamt guten ersten Halbzeit aufgrund mangelnder Chancenverwertung mit einem Rückstand konfrontiert.
Verdienter Ausgleich nach der Pause


2. Halbzeit:

Mit Beginn des zweiten Durchgangs brachte SC-Trainer Jens Scheuer mit Anja Maike Hegenauer für Lena Petermann eine frische Kraft ins Spiel seiner Mannschaft. Diese drängte in der Folge mit Vehemenz auf den Ausgleichstreffer. Nach zwei vergeblichen Versuchen durch Giulia Gwinn (49.) und Lina Magull (50.) war es dann Klara Bühl, die für den hochverdienten Ausgleich sorgte. Nach einer Ecke bekamen die Gastgeberinnen den Ball nicht aus dem Strafraum. Dieser landete vor den Füßen von Klara Bühl, die zwischen zahlreichen Abwehrbeinen die Lücke fand und mit ihrem platzierten Schuss auch Carina Schlüter keine Chance ließ (55.). Von Sand kam bis zu diesem Zeitpunkt in der zweiten Halbzeit nichts. Wie in der ersten Hälfte sorgte dann wie aus dem Nichts ein Standard für die erneute Führung der Gastgeberinnen. Nach einem Foul von Carolin Schiewe setzte Jana Vojtekova den Ball aus 18 Metern unhaltbar für Laura Benkarth in die Maschen (58.).
Starke Reaktion nach erneutem Rückstand
Der Sport-Club musste also zum zweiten Mal in diesem Derby einem Rückstand hinterherlaufen. Die Scheuer-Elf schüttelte sich kurz und berannte dann wieder das Tor der Gastgeberinnen. Nur drei Minuten nach dem Rückstand verpasste Klara Bühl eine Hereingabe von Jobina Lahr knapp, wiederum eine Minute später war es Lina Magull, die den Ball nur Zentimeter am langen Pfosten vorbeischlenzte. Bei Hasret Kayikcis Abschluss aus gut 20 Metern konnten sich die Gastgeberinnen einmal mehr bei Carina Schlüter bedanken, die den Ball sehenswert um den Pfosten lenkte (68.). Der SC Sand verlagerte sich nun endgültig aufs Kontern und wäre dabei eine Viertelstunde vor dem Ende beinahe zum dritten Treffer gekommen. Jana Vojtekva setzte ihren Abschluss frei vor Laura Benkarth aber deutlich zu hoch an (74.). Dann war es wieder der Sport-Club, aber Klara Bühl wollte der Ausgleich nicht gelingen, als sie eine Flanke von Jobina Lahr knapp verpasste.
Das Spiel näherte sich seinem Ende und dem Sport-Club drohte trotz zahlreicher Chancen und einer starken Vorstellung die erste Niederlage seit 17 Spielen. Diese aber wollte die Scheuer-Elf nicht zulassen und bewies einmal mehr große Moral. Fünf Minuten vor dem Ende der Partie konnte Giulia Gwinn nach einem sehenswerten Spielzug von der rechten Seite flanken und fand in der Mitte Lina Magull, die mit einem halbhohen Kopfball Carina Schlüter überwand und zum hochverdienten 2:2 traf. In der Nachspielzeit wäre der eingwechselten Rebecca Knaak beinahe sogar noch der dritte Treffer gelungen, ihr Kopfball ging aber über das Sander Tor (90. +2).
Mit dem zweiten Untneschieden der Saison verteidigt der Sport-Club zumindest bis zum Nachmittag, wenn der FC Bayern mit einem Sieg bei Turbine Potsdam vorbeiziehen könnte, seine Tabellenführung.

Stimmen:


Jens Scheuer (Trainer SC Freiburg): „Vom Spielverlauf her müssen wir mit dem Unentschieden zufrieden sein. Wenn man aber die Spielanteile und die Chancen betrachtet, wäre ein Sieg für uns sicherlich verdient gewesen. Wir hatten sieben oder acht hundertprozentige Chancen, haben aber eine konsequente Chancenverwertung, die uns bisher ausgezeichnet hat, vermissen lassen. Dafür hat meine Mannschaft wieder einmal eine wahnsinnige Mentalität gezeigt und große Moral bewiesen. Am Ende bin ich auch angesichts der absolut widrigen Verhältnisse zufrieden mit dem Punkt. Es hat weiterhin keine Mannschaft geschafft, uns zu schlagen. Das macht mich stolz und ich hoffe, dass diese Serie noch lange anält.“
Sascha Glass (Trainer SC Sand): „Es war ein wirklich gutes Spiel und Werbung für den Frauenfußball. Wir haben die Dinge berücksichtigt, die wir vorher angesprochen haben. Nur mit einer hohen Laufbereitschaft und einer großen Kompaktheit kann man gegen Freiburg und seine Top-Qualität bestehen. Dass man gegen eine solche Mannschaft nicht alles verteidigen kann, ist auch klar. Ich bin mit dem Punkt total zufrieden.“
Lina Magull: „Ich bin nicht zufrieden. Wir haben viele Chancen liegen gelassen, gerade in der zweiten Halbzeit und müssen eigentlich als Sieger vom Platz gehen. Bei den Bedingungen mit dem starken Wind war es aber gerade in der ersten Halbzeit sehr schwierig, zudem hat Sand es auch gut gemacht. Mein letztes Kopfballtor ist schon lange her, ich freue mich, dass es jetzt auch so mal geklappt hat.“

Stenogramm:


SC Sand: Schlüter – Aschauer, Vetterlein, Caldwell, Santos de Oliveira – Vojtekova (90.+2 Nikolic), Tietge, van Bonn, Feiersinger (88. Savin) – Arnold (75. Meyer), Burger
Trainer: Sascha Glass
SC Freiburg: Benkarth - Gwinn, Schiewe, Puntigam, Lahr - Magull , Simic (67. Minge), Fellhauer (86. Knaak), Bühl – Petermann (46. Hegenauer), Kayikci
Trainer: Jens Scheuer
Schiedsrichterin: Marina Wozniak
Zuschauer: 725
Tore: 1:0 Aschauer (24.), 1:1 Bühl (55.), 2:1 Vojtekova (58.), 2:2 Magull (85.)

Autor: Thomas Rieger

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