06.02.2019

LL 2: Nachgefragt - Auslandsstudium und Sport - wie geht es Yannick Baumer vom FCE in den USA?

Yannick Baumer (Nr. 15), liebe Grüße in die Heimat! Bild: privat

Der 23-jährige Yannick Baumer vom FC Emmendingen hat sich 2015 einen Traum erfüllt und einen studienbedingten Aufenthalt in den USA begonnen.
In der Anfangszeit jagte er im Collegeteam in Tennesee dem "runden" Leder nach; mittlerweile studiert er an der Universität in Boston. Lesen Sie unser Interview...

"Ich würde sagen, spielerisch sind Top Unis auf hohem Regionalliganiveau!"

SDP: Jannick Baumer erfüllt sich den Traum USA! So war unsere Headline im Jahr 2015. Sind Deine Vorstellungen in Erfüllung gegangen?
Jannick Baumer.: Meine Vorstellungen haben sich auf jeden Fall erfüllt, sportlich sowie akademisch. Zum Teil wurden sie sogar übertroffen!

SDP: Wie bekannt,  hast Du zunächst  in einem Collegeteam in Memphis, Tennessee gespielt, mittlerweile hast Du die Universität gewechselt?

J.B.: Ganz genau, ich bin im August 2015 von der Uni Karlsruhe (KIT) zu einer Universität in Memphis gewechselt und war dort bis Mai 2017. Seit August 2017 bin ich an der University of Massachusetts Lowell in Boston. Das Kursangebot der Universität in Boston hat mir mehr entsprochen, da ich überlege noch ein paar Semester Luft- und Raumfahrttechnik an das Maschinenbaustudium zu hängen. Und nebenbei hat es sportlich auch sehr gut gepasst, das Niveau hier ist nochmal höher.


SDP: Wann wirst Du Dein "Engineering-Studium" in Boston mit dem Bachelor abschließen?

J.B.: Ende des Jahres  beende ich mein „Undergraduate Degree“ (Bachelor Studium) in Mechanical Engineering (Maschinenbau). Hier in Amerika geht das Bachelor Studium vier Jahre, anstatt der in Deutschland üblichen Regelstudienzeit von drei Jahren. Allerdings hat man hier die Möglichkeit, je nach Studiengang, ein 1-jähriges „Graduate Degree“ (Master Studium) anzuhängen. Und vielleicht gehe ich ja auch noch, wie schon erwähnt, ein wenig in Richtung Luft- und Raumfahrttechnik.

SDP: Wie sieht die fussballerische Entwicklung aus, mit welcher deutschen Liga ist das College-Team vergleichbar?

J.B.: Universitäten in Amerika sind in verschiedene „Divisions“ unterteilt. Je nach Größe, Studentenanzahl und ein paar weiteren Faktoren befinden sich Unis entweder in der Division 1, Division 2 oder Division 3. Meine erste Universität war in der Division 2, wohingegen meine jetzige Uni in der Division 1 spielt, das Niveau hier ist entsprechend höher als in Memphis. Allerdings ist es schwer das Niveau mit einer deutschen Liga zu vergleichen. College Spieler sind im Normalfall zwischen 18 und 25 Jahren, also mehr eine u25 - Liga. Ich würde sagen, spielerisch sind Top Unis auf hohem Regionalliganiveau, natürlich gibt es auch schwächere Teams.

Wir konnten uns vergangene Saison lange im Ranking der Top 25 Uni’s der USA halten, leider hat es am Ende aber nicht für einen Titel gereicht. In den letzten drei Jahren wurden zwei meiner Mitspieler in der Major League Soccer unter Vertrag genommen, ein weiterer ist momentan mit einem kroatischen Erstligisten im Trainingslager.


SDP: Die High Season 2018 ist abgeschlossen, liegt der Schwerpunkt derzeit wieder auf dem Studium?

J.B.: Ja, Fussball-Saison ist von August bis Dezember mit durchschnittlich 2-3 Spielen pro Woche. In den Frühlingsmonaten wird sich mehr auf Training sowie Studium konzentriert.

SDP: Ist es unter Umständen möglich, dass Du nach Abschluss Deines Studiums in den USA verbleibst und bei einer Firma erste berufliche Erfahrungen sammeln wirst?

J.B.: Für mich als Deutscher gibt es die Möglichkeit hier mithilfe eines Arbeitsvisums ins Berufsleben einzusteigen und Berufserfahrung zu sammeln. Ich schaue mich gerade diesbezüglich nach Firmen um, die in Frage kommen würden.


"Ich würde mich für Verein und Mannschaft freuen, wenn der Klassenerhalt doch noch gelingen würde!"

SDP: Du bist derzeit 23 Jahre und hast auch fußballerisch Deinen Höhepunkt noch vor dir. Vor allem bei Deinem Verein FC Emmendingen würde man sich über eine Rückkehr freuen?

J.B.: Das hoffe ich doch! Ich bin mittlerweile schon seit über drei Jahren hier, aber immer noch im Kontakt mit alten Mitspielern und dem FCE Präsident Renzo Düringer.

SDP: Du bist über die sportliche Situation sicherlich informiert. Deine Einschätzung, ist der FCE vor dem Abstieg noch zu retten?

J.B.: Ja natürlich verfolge ich die Entwicklung mit Interesse. Der FC Emmendingen befindet sich ja gerade in einem Umbauprozess, in dem viel auf die eigene Jugend gesetzt wird. Wenn ich mit meinem Vater rede, dann berichtet er mir meistens über ein gutes Spiel des jungen Teams, oft auf Augenhöhe mit der gegnerischen Mannschaft und nicht selten sogar mit der besseren Spielanlage. Aber eben leider meist auch über ein paar grobe individuelle Schnitzer im Defensivverhalten, die es dann natürlich sehr schwer machen. Realistisch aus der Ferne betrachtet, scheint der Abstieg wahrscheinlich. Im Team und auch im Umfeld des Teams scheint es aber weiterhin zu stimmen. Ich habe z.B. sogar hier in Amerika etwas über das Engagement des FC Emmendingen im November letzten Jahres beim Historischen Friedens-Fußballspiel in Ypern gelesen. Deshalb würde ich mich für den Verein und für die Mannschaft riesig freuen, wenn der Klassenerhalt doch noch gelingen würde.

SDP: An Weihnachten hast Du Deine Familie besucht, es gab sicherlich ein Wiedersehen mit zahlreichen Freunden? Die Kontakte in die Heimat sind über die digitalen Medien vorhanden?

J.B.: Ich versuche Kontakte so gut wie es geht zu pflegen, mittlerweile geht das ja alles zum Glück super übers Handy. Über Weihnachten geht es jedes Jahr wieder zurück nach Hause, um die Feiertage mit der Familie zu verbringen. Natürlich versuche ich auch immer bei den regionalen Hallenturnieren vorbei zu schauen die im Dezember und Januar ausgetragen werden, zum Beispiel in Teningen, Herbolzheim oder Endingen.

Seit letzten August haben wir auch einen weiteren Deutschen im Team, Alec Becker, mit dem schon mein jüngerer Bruder Tim beim SC Freiburg gespielt hat.

Er ist vor einem Monat sogar in meine WG eingezogen, die Heimat ist also immer ganz nah.

Autor: Thomas Rieger

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