10.07.2018

Ein weiterer schöner Bericht von Bezirkspressewart Peter Welz: Der besondere Service für Blinde und Sehbehinderte - ein Blindenreporter!

Der Blindenreporter im Einsatz. Bild. Peter Welz

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Weitere INFOS siehe unter dem Link:

http://freiburg.sbfv.de/nachricht/was-sind-eigentlich-blindenreporter

Bild: Peter Welz

Was sind eigentlich Blindenreporter?

28.06.2018


Zugegeben: Ich wusste es bis zum 12. Mai 2018 auch nicht. An diesem Tag durfte ich Stefan Haupt, im Hauptberuf Mitarbeiter der LBS und Daniel Westermann, der in Köln Sportjournalismus studiert hatte, beim Heimspiel des SC Freiburg gegen den FC Augsburg begleiten. "Die Idee kommt aus England. Bayer Leverkusen hat nach einem Champions-League-Spiel gegen Manchester United diesen Service für Blinde und Sehbehinderte eingeführt", erzählt mir Daniel Westermann. Später wurde daraus eine Auflage der Deutschen Fußball-Liga (DFL) an die Vereine, Blindenreporter bei ihren Heimspielen einzusetzen. Nach einer Ausschreibung des SC Freiburg im Juli 2014 über die Fangemeinschaft wurden fünf ehrenamtliche Blindenreporter ausgewählt, die ein zweitägiges Seminar absolvierten und sich nun bei jedem Heimspiel abwechseln. Im Fanhaus am Nordeingang holen die beiden Blindenreporter das Equipment ab, das sie für ihre Moderationen benötigen. Mit sechs Kopfhörern und Empfangsgeräten machen wir uns auf den Weg in den Presseraum. Dort gibt es die Aufstellung für das letzte Heimspiel der Saison. "Söyüncü ist nicht in der Startelf", sagt Daniel zu Stefan, "das deutet auf eine offensivere Variante hin." Auch diese Information werden die Hörer in der Moderation erfahren. "Wie spricht sich Jeffrey Gouweleeuw vom FC Augsburg richtig aus?", fragt Stefan. Die Antwort könnte die Sprachkennung von "kicker" geben, doch ein Reporter aus Augsburg klärt die Beiden schon im Presseraum auf. Die Blindenreporter Daniel und Stefan sind bestens informiert. Zwei Tage vor dem Spiel haben sie ein 60-seitiges Dossier mit Statistiken und Informationen erhalten. Darin ist auch der Schiedsrichter der heutigen Begegnung aufgeführt: Bastian Dankert, der als erster Schiedsrichter in der Bundesliga das Freistoßspray eingesetzt hat. Solche Schmankerl muss man nicht wissen, eignen sich aber zur Überbrückung, wenn der Ball ins Aus geschlagen wird oder ein Spieler verletzt auf dem Rasen liegt. Stefan Haupt hat sich eigene Notizen gemacht. Diese werden im Laufe des Spiels in die Moderation eingestreut.




Auf der Haupttribüne nehmen wir Platz. Die Nordtribüne mit den Trommeln und den Fangesängen grenzt an unseren Sitzbereich. Die Technik wird überprüft, die Akkus sind voll, die Kopfhörer funktionieren. Es fällt nicht auf, dass einige Zuschauer mit Kopfhörern in unserem Bereich sitzen. Sie könnten auch die Konferenz im Radio am letzten Spieltag der Bundesliga verfolgen. Schließlich geht es noch um den Abstieg und um Europa-Pokal-Plätze. Etwas ungewohnt wirken eher Stefan und Daniel, die ein grünes SC-T-Shirt mit der Aufschrift "Blindenreporter" tragen. Anstoß ist pünktlich um 15.30 Uhr. Stefan legt los mit seiner Moderation. Ich sitze da mit meinem Kopfhörer und verfolge gespannt seine Moderation. Mit angenehmer Stimme beschreibt Stefan den Spielverlauf. Nach zehn Minuten wird gewechselt und Daniel Westermann übernimmt. Bis zur Halbzeit gestaltet sich das Spiel ausgeglichen. Tore fallen nicht. Hinter mir sitzt Dieter Keller. Er ist blind. Seit drei Jahren hat er eine Dauerkarte beim SC Freiburg. Er nutzt den Service und ist begeistert: "Die Reportagen haben eine hervorragende Qualität und es macht Spaß zuzuhören." Später, beim 2:0 für den SC Freiburg, reisst er wie die anderen Zuschauer die Arme hoch und jubelt. Die Herausforderung für die Blindenreporter ist es, immer auf Ballhöhe zu sein. Dieter Keller hat gezeigt, dass es funktioniert. Nach dem Schlusspfiff sagt Daniel Westermann: "Blindenreportage ist eine dreifache Win-Win-Situation. Teilhabe ist ein wichtiger Punkt im Rahmen des sozialen Engagements des SC Freiburg, weiter gibt das Angebot den sehbehinderten und blinden Fans die Möglichkeit, das Spiel hautnah zu erleben und drittens haben Stefan und ich die Möglichkeit, die Spiele des SC Freiburg zu sehen." Drei der sechs Empfangsgeräte mit Kopfhörern sind derzeit noch von Dauerkarteninhabern "belegt". Im neuen Stadion soll bei entsprechendem Bedarf das Angebot ausgeweitet werden. Das ist noch Zukunftsmusik wie die neue Saison 2018/19. Stefan Haupt und Daniel Westermann sind glücklich über den Verbleib des SC Freiburg in der Bundesliga. "Bei einem Abstieg hätten wir uns die Namen der Spieler der Zweitligisten und der Aufsteiger Magdeburg und Paderborn einprägen müssen", schmunzelt Daniel Westermann. Das bleibt ihnen erspart. Sie wissen ja: "Gouweleeuw".


Peter Welz/SBFV / © SBFV

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