01.12.2018

OL BW: Kein Spiel wie jedes andere auf der "Ponde!" In der 3. HZ werden in der "Ponde" die Kerzen brennen. Das Statement von "Santi" Fischer!

Sa., 01.12.2018, 14.00 Uhr, Kaiserstuhlstadion: Bahlinger SC - FC Germania Friedrichstal

Der Strafraum ist "sein Revier": Santiago Fischer, hier im Heimspiel am 22.09.2018. Bild: Claus G. Stoll

Letzte Woche ist in der Vorschau zum vergangenen Spieltag der Oberliga Baden-Württemberg Axel Siefert zu Wort gekommen. Vor dem letzten Spiel des Jahres 2018 hat uns nun Torjäger Santiago "Santi" Fischer umfassend Rede und Antwort gestanden. Aber lesen Sie selbst, was uns der "Strafraumstürmer" zu sagen hatte.

Die Verantwortlichen des BSC haben angekündigt, dass es nach dem letzten Spiel des Jahres in der "Ponde" für die treuen Fans eine kleine Weihnachtsfeier geben wird.
Das Team um Dennis Bührer/Axel Siefert  hat es in der Hand, mit einer guten Leistung und einem Dreier für die notwendige Stimmung zu sorgen.

Santiago Fischer spielt in der zweiten Saison beim Bahlinger SC. Bild: Claus G. Stoll

Der 27jährige Stürmer läuft seit Juli 2017 für den Bahlinger SC in der Oberliga Baden-Württemberg auf. Zuvor war „Santi“ sieben Jahre beim SV Endingen in der Verbandsliga eine Konstante und Garant für Tore: Allein sagenhafte 65 Treffer in den letzten drei Spielzeiten sind ein Leistungsnachweis, der sich sehen lassen kann. Das dachte sich auch der Oberligist vom Kaiserstuhl, der schon länger ein Auge auf den sympathischen Stürmer geworfen hatte und dann Mitte 2017 „Nägel mit Köpfen“ gemacht hat. 


SDP: Hallo Santi. Mit den Worten „Santiago Fischer geht über den Silberberg zum BSC“ hatten wir im März 2017 Deinen Wechsel vom SV Endingen an den Kaiserstuhl vermeldet. Der Sportliche Leiter August Zügel sagte damals über Dich: „Santiago ist ein kraftvoller Strafraumstürmer, den wir in den letzten Jahren nur selten hatten.“ Nun bist Du die zweite Saison beim Bahlinger SC. Haben sich Deine Erwartungen erfüllt? Wo siehst Du persönlich noch Entwicklungspotential?

Santiago Fischer: Hallo DP-Team, es ist richtig, ich spiele nunmehr die zweite Saison für den großen Bahlinger SC.  Mir war ab dem ersten Tag meiner Entscheidung pro BSC bewusst, dass es eine nicht immer einfache Aufgabe werden würde. Jedoch hatte ich mir bewusst diese große und tolle Herausforderung ausgesucht, weil ich eine sportliche Veränderung brauchte und der Verein "über’m Silberberg" schon Jahre davor ein immer wieder aufkommendes Thema für mich war. Ich hatte nicht nur große Erwartungen an das Sportliche, sondern auch an das gesamte Umfeld des Vereins, welchem immer wieder hohe Professionalität, gleichzeitig aber auch Geselligkeit und guter Zusammenhalt zugesprochen wurde. Das alles habe ich so auch vorgefunden. Ein guter Platz, um sich sportlich und menschlich weiter zu entwickeln. Vor allem die (inzwischen) nachhaltige Jugendarbeit und intensive Sponsorenarbeit werden dem Verein weiterhin zur Bekanntheit verhelfen und die nötige Stabilität bringen. Hierin sehe ich auch das größte Potential. Es sind viele Grundsteine gelegt, die Basis, um weiterhin das sportliche Aushängeschild der Region zu bleiben, ist geschaffen. Man sollte nur darauf achten, dass man sich nicht auf den Etappenzielen, die man bereits erreichen konnte, ausruht. Aber hier habe ich wenig Bedenken, da die Stellen mit den richtigen und erfahrenen Leuten besetzt sind.



„Santiago ist ein kraftvoller Strafraumstürmer, den wir in den letzten Jahren nur selten hatten.“

Bislang fünf Mal für den Bahlinger SC in dieser Saison erfolgreich: Santiago Fischer. Bild: Claus G. Stoll

SDP: Als „Tormaschine aus dem Erle“ hast Du die Herausforderung Oberliga angenommen. Wenn man den Statistiken glauben darf, stehen für Dich in der ersten Oberligasaison am Kaiserstuhl 26 Einsätze und vier Tore zu Buche, während in der aktuellen Saison, d.h. nach dem 17. Spieltag, bereits 13 Partien und fünf Treffer vermerkt sind, bei fast gleicher Einsatzzeit. Es läuft aktuell also deutlich besser. Wie kommt`s?

S.F.: Dass es in dieser Saison besser laufen wird, hat sich für mich persönlich schon in der Zeit vor der Vorbereitung und auch währenddessen angedeutet. Ich habe in dieser Zeit individuell und intensiv an meiner Fitness gearbeitet und bin in guter körperlicher Verfassung in die Saison gestartet. Die blanke Statistik der letzten Saison ist natürlich mager, das ist mir bewusst. Sie ist jedoch auch etwas trügerisch. Schaut man sich an, wie oft ich in der Startelf stand oder über 60 Minuten gespielt und dann getroffen habe, verändert sie sich doch sehr positiv. Vielleicht liegt es auch daran, dass mir in der vergangenen Saison die „Jokerrolle“ einfach nicht gelegen hat, zumal ich in meiner Karriere noch nie als Joker eingesetzt wurde. Wie oben bereits erwähnt, habe ich meine Defizite schon während der ersten Saison erkannt und folglich daran gearbeitet. Das verhalf mir in der aktuellen Saison zu mehr Startelfeinsätzen, vor allem zu Beginn der Saison. Ich konnte dieses mir teils erarbeitete, teils entgegengebrachte Vertrauen mit Toren zurückzahlen.

SDP: Deine Stärken liegen sicherlich in der „Box“, ob per Kopf oder mit dem Fuß. Wie viele der bislang fünf Saisontore hast Du im Strafraum erzielt?

S.F.: In meiner Zeit beim SV Endingen war tatsächlich alles dabei. Linker Fuß, rechter Fuß, Kopfballtor, Abstauber oder Fernschuss. Das hat mich stets ausgezeichnet. Beim Bahlinger SC, vor allem in der laufenden Saison, treffe ich aber besonders gerne per Kopf. Vier meiner fünf Tore habe ich bisher mit dem Kopf und gleichzeitig im Strafraum erzielt. Nur mein letztes Tor gegen Spielberg habe ich außerhalb der „Box“ und mit dem Fuß erzielt.


Reine Kopfsache: Die Kopfballstärke von Santiago Fischer ist bekannt. Bild: Claus G. Stoll

SDP: Die Oberliga ist für Dich zwar kein Neuland mehr, aber bist Du auch noch kein „alter Oberligahase“. In welchen Bereichen siehst Du die entscheidenden Unterschiede zur Verbandsliga? Wie lauten Deine Tipps, worauf muss sich ein "wechselwillige Verbandsligaakteur" einstellen?

S.F.: Die Frage wird mir sehr häufig gestellt. Das Spiel in der Oberliga spielt sich nicht nur in den 90 Minuten auf dem Feld ab. Viele Vereine, darunter auch der Bahlinger SC, befassen sich akribisch mit Vor- und Nachbereitung der eigenen Spiele, aber auch mit den Spielen der Gegner. Dieser Trend reicht aber inzwischen auch in die Ligen unter der Oberliga. Die Fitness und der Körper generell sind meiner Meinung nach in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus vieler Trainer gerückt. Das stellt einen weiteren Unterschied dar. Auch die Schnelligkeit im Spiel und taktischen Umstellungen während dem Spiel sind Faktoren, in denen sich die Oberliga noch differenziert. Jedoch ist auch hier eine Entwicklung bei den niedriger spielenden Vereinen deutlich erkennbar.

SDP: Der bisherige Saisonverlauf, gekennzeichnet von einem vielversprechenden Start in der Liga, entspricht inzwischen nicht mehr ganz den Wünschen und Träumen der BSC-Anhänger. Hat sich dadurch das Klima in der Mannschaft bzw. im Umfeld verändert?

S.F.: Wir sind furios in die Saison gestartet und haben unsere Fans mit vielen Toren und schnellem Fußball verwöhnt. Wir spielen derzeit nicht unbedingt einen schlechteren Ball, bloß sind uns die Zielstrebigkeit und die Effizienz etwas abhandengekommen, woran wir aber Woche für Woche arbeiten. Unglücklicherweise ist auch das Pokalspiel terminlich in diese Phase gefallen. Wir möchten fußballerisch aber wieder dahin kommen, wo wir uns zu Beginn der Saison bewegt haben. Das Klima in der Mannschaft hat sich im Gegensatz zu dem Klima im Umfeld nicht verändert. Die Mannschaft ist intakt, auch in dieser sportlich nicht so erfolgreichen Zeit. Vertrauen in sich selber und in das Trainerteam sind spürbar. Das wird uns letztlich auch wieder in die Spur bringen. Das Umfeld, speziell die Fans, sind wegen der ausbleibenden Ergebnisse unzufrieden. Und das auch zu Recht. Wir haben die Messlatte eingangs der Spielzeit hoch angesetzt und das ist auch der Anspruch, den wir fußballerisch an uns haben. Was hierbei am Ende rauskommt und wo wir am Ende in der Tabelle landen, wird sich noch früh genug zeigen.

Auch im "Erle" wußte "Santi" seine Stärken stets einzusetzen: Szene der Partie gegen den FC 08 Villingen am 03.09.2016. Bild: Claus G. Stoll

SDP: Seit Saisonbeginn sind nun Dennis Bührer und Axel Siefert für die Geschicke der Mannschaft verantwortlich, sie haben gemeinsam das „Zepter“ von Alfons Higl übernommen. Wo siehst Du bislang die wesentlichen Unterschiede in der Trainingsarbeit der Genannten?

S.F.: Zunächst einmal ist die Trainerarbeit inzwischen auf drei leitende Trainer aufgeteilt, was ermöglicht, dass intensiver und spezieller gearbeitet werden kann. Eine gute Sache. Das individuelle Torwarttraining von Jerome ist eine Besonderheit, die sicherlich nicht viele Vereine aufweisen können. Es läuft parallel zu den Einheiten der Feldspieler ab, bevor dann zwei unserer Torhüter für die Spielformen zu uns dazu stoßen. Das erfordert viel Koordination und Abstimmung des gesamten Trainerteams. Taktisch sind die Inhalte vergleichbar. Es sind auch Übungen dabei, die wir unter Alfons schon trainiert haben. Auffällig jedoch ist, dass es verschiedene Phasen in dieser Saison gab, in welchen spezielle Dinge bewusst provoziert und so gezielt trainiert wurden. Auch auf die Psyche, also das, was sich bei den einzelnen Spielern im Kopf abspielt, wird seit dieser Spielzeit sehr viel Wert gelegt. Wer Dennis kennt, kann sich auch vorstellen, dass die Fitnesseinheiten nicht zu kurz kommen.

SDP: Du kennst Deinen Trainer Axel Siefert ja schon aus Deiner Zeit im „Erle“. Mal Hand auf’s Herz und unter uns: Hat er sich verändert?


S.F.: Ich kenne Axel nun fast zehn Jahre. Ich verrate hier kein Geheimnis, wenn ich sage, dass ich ihn sowohl sportlich als auch privat sehr schätze. In seiner Trainerarbeit war Axel stets hoch motiviert. Gerade wenn es darum geht, sich taktisch weiter zu entwickeln und sich neue Methoden anzueignen. Nicht zuletzt deshalb ist er Inhaber des A-Trainerscheins und hospitiert regelmäßig bei Erstligaclubs. Ein richtiger Fachmann, der sofort Feuer gefangen hat, als sich die Chance ergab, den Bahlinger SC zu trainieren und seine Ideen einbringen zu können. Auch im privaten Bereich ein sehr aufopferungsvoller und korrekter Mensch, der es schafft, Personen zu motivieren, dabei menschlich bleibt und nie vergisst, wo er herkommt.

Die aktuelle Zwischenbilanz: 13 Partien und fünf Treffer. Bild: Claus G. Stoll

SDP: Dennis Bührer hast Du in Deiner ersten Saison als spielenden Co-Trainer und verlängerten Arm von Alfons Higl auf dem Platz erlebt. Jetzt ist Dennis nur noch an der Linie aktiv, aber trotzdem akustisch sehr präsent, wie ja auch Axel Siefert. Nach dem in sich ruhenden Alfons Higl sicher eine Umstellung, nicht nur für die Zuschauer. Hilft das der Mannschaft bzw. dem Einzelnen auf dem Platz?

S.F.: Dennis besitzt die Gabe, einen (Mit-)Spieler mitzuziehen und vermittelt stets vollen Einsatz. Er hat es so als Spieler schon immer geschafft, seine Kollegen „abzuholen“ und nicht aufzugeben. Dazu gehören auch verbale und klare Anweisungen. Das ist eine Eigenschaft, die er ins Trainerdasein mitgenommen hat und die ihn auszeichnet. Ähnlich verhält es sich bei Axel, der in seinem letzten Interview ja bereits unverkennbare Parallelen zu Dennis aufgezeigt hat. Kommunikation ist ein probates Mittel, seine Spieler zu erreichen. Gerade dann, wenn es nicht läuft.
Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile. Es liegt an der Persönlichkeit und der Natur des Trainers, welche er umsetzt. Genauso verhält es sich bei dem Empfänger der Anweisungen. Manchen hilft es, dem anderen ist es zu persönlich oder zu offensiv. Ich selbst bin ein Befürworter dieser Kommunikation auf dem Feld.

Immer im Brennpunkt, auch wenn es weh tut: "Santi" Fischer trifft FVR-Keeper Haris Mesixc im Heimspiel am 06.10.2018. Bild: Claus G. Stoll

SDP: Die anstehende Winterpause ist traditionell die Phase der Saison, in der die Weichen für die folgende Spielzeit gestellt werden. Dein Vertrag läuft bekanntlich zu Rundenende aus. Gab es bereits Gespräche mit Dir? Haben sich andere Vereine an Dich gewandt und ihr Interesse bekundet? Werden wir Dich auch künftig im Dress des Bahlinger SC sehen?

S.F.: Mein zweijähriger Vertrag läuft im Sommer aus. Bisher gab es noch keine Gespräche diesbezüglich, auch weil wir den Fokus auf die Tabelle nicht verlieren dürfen. Ich bin mir aber sicher, dass wir uns zeitnah damit beschäftigen werden. Natürlich gibt es Vereine, die sich erkundigen und nachfragen. Das ist alltäglich und legitim. Hiervon ist jeder Fußballer betroffen und ein Stück weit bedeutet das auch Anerkennung. Jedoch habe ich mich bis dato aus dem oben genannten Grund nicht damit befasst und bei einer klaren Stellungnahme wird das auch akzeptiert.

Santiago Fischer am 28.04.2018. Bild: Claus G. Stoll

SDP: Eineinhalb Jahre bist Du nun Teil der BSC-Familie. Du fühlst Dich sichtlich wohl, oder?

S.F.: Ja, das war und ist für mich ein doch wichtiger Gesichtspunkt. Beim SV Endingen konnte ich, gerade zu Beginn, viele noch heute währende Freundschaften schließen. Fußball verbindet und man lernt viele Leute kennen und kann auch gute Kontakte über die Materie hinaus knüpfen. Auch in Bahlingen habe ich mittlerweile eine Menge neuer Freunde finden können und freue mich immer wieder (alt-)bekannte Gesichter auf dem Sportplatz oder später in der Ponderosa zu sehen. Am liebsten natürlich nach einem Heimsieg. Von vielen Bahlingern, speziell der Vereinsführung, werden diese Werte auch vorgelebt, was die Integration natürlich erleichtert.

SDP: Am kommenden Samstag, 01.12.2018, Anpfiff bereits um 14.00 Uhr, gastiert im letzten Spiel des Jahres der FC Germania Friedrichstal im Kaiserstuhlstadion. Der Gast ist mit sechs Punkten Tabellenletzter. Werden wir Dich in der Startformation sehen? Was macht Deine Handverletzung?


S.F.: Die letzten drei Wochen war ich körperlich eingeschränkt, weil ich an einer gebrochenen Hand laboriert habe. Diese Woche jedoch fühlt sie sich schon sehr viel stabiler an und die Bewegungsabläufe werden zunehmend normaler. Wer in der Startelf steht, werden wir am Samstag erfahren, aber klar ist auch, dass jeder Spieler auf einen Einsatz hofft. Ob es dann für das Spiel gegen Friedrichstal reicht, wird sich zeigen. Jedenfalls freue ich mich auf die Partie und bin mir sicher, dass wir vor der Winterpause noch mal einen Sieg einfahren können.


Der Tipp von Santiago Fischer zum 18. Spieltag der Oberliga Baden-Württemberg

Hier noch Gegner, heute Mitspieler: Santiago Fischer (li.) und Yannik Häringer beim Auftritt des SV Endingen im Kaiserstuhlstadion am 05.04.2017. Bild: Claus G. Stoll

Sa., 01.12.2018, 14:00 Uhr
Bahlinger SC - FC Germ.Friedrichstal 3:0
FC 08 Villingen - TSG Backnang 2:1
SV Spielberg - SV Linx 2:2
TSV Ilshofen - SSV Reutlingen 1:3
1. CfR Pforzheim - FSV 08 Bissingen 0:0
FC Nöttingen - Stuttgarter Kickers 1:1
SV Oberachern - Neckarsulmer SU 1:2

Auch mit Villingens Christian Mendes kreuzte sich sein Weg bereits: "Santi" Fischer am 19.08.2017. Bild: Claus G. Stoll

SDP: Santi, herzlichen Dank für Deine Worte. Wir wünschen Dir sowie dem Bahlinger SC nur das Beste für die restliche Saison - und werden natürlich weiter "ein Auge auf Dich" haben.   

Autor: Claus G. Stoll

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