15.03.2019

OL BW: Serhat Ilhan - Lust auf mehr mit dem Bahlinger SC?

Vom "Schwaben" zum "Kaiserstühler"

Mit 22 Jahren darf man noch Träume haben: Serhat Ilhan, Bahlinger SC. Bild: Claus G. Stoll

Ist BSC-Stürmer Serhat Ilhan (22) auf dem Weg vom Torvorbereiter zum Torjäger? 


Lesen Sie das Kurzinterview mit dem sympathischen Fußballer vor dem Gastspiel der Kaiserstühler beim TSV Ilshofen.

"Die Menschen in Bahlingen sind sehr familiär und denken sehr positiv" - "DZischidigzitung"

Serhat Ilhan, Bahlinger SC. Bild (Archiv): Claus G. Stoll

SDP: Serhat, knapp fünf Jahre Bahlinger SC - wie lautet Dein Fazit?

Serhat Ilhan: Es ist sehr schön hier. Ich fühle mich mittlerweile wie daheim und mir kommt es so vor, als würde ich schon immer hier leben. Die Menschen in Bahlingen sind sehr familiär und denken sehr positiv.

SDP: Ein "Schwabe" - u.a. Zimmern, Tuttlingen, Heidenheim - am Kaiserstuhl. Hast Du die Sprachbarrieren mittlerweile überwunden?


S.I.: Anfangs hatte ich schon meine Schwierigkeiten. Das größte Problem war, dass ich mich teilweise durch die „Sprachbarrieren“ nicht angesprochen gefühlt habe, aber auch das ist mittlerweile überwunden.

SDP: Na, dann machen wir vor dem sportlichen Teil einen kurzen Test. Gestern hat sich bei einem Quiz-Ratespiel Dialektz in einen örtlichen Radiosender eine Ur-Bahlingerin mit dem Wort "DZischidigzitung" beteiligt? Übersetz uns mal bitte.

S.I.: Dienstagszeitung, glaube ich. Zischtig= Dienstag (Gewonnen! die Redaktion!)

SDP: Der Bahlinger SC, eine große Familie? Den auswärtigen Spielern werden nach Bedarf Wohnungen bei Gönnern angeboten?


S.I.: Der BSC ist eine sehr große Familie! Dieses Familiäre beim BSC ist ein Grund für den sportlichen Erfolg. Ja, der Verein kommt den Spielern, was das angeht, sehr entgegen und natürlich die Leute/Familien, die uns die Wohnungen zur Verfügung stellen. Das gute Verhältnis zwischen mir und der Familie Rieß, bei denen ich wohne, gibt mir ein sehr gutes Gefühl hier zu sein.

"Die Zukunft des BSC ist in guten Händen."

Serhat Ilhan, Bahlinger SC. Er kann auch Bahlinger Dialekt: „DZischidigzitung" Bild (Archiv): Claus G. Stoll

SDP: Einmal BSC, immer BSC? Dein Vertrag läuft im Sommer 2019 aus. Die Gespräche über die Vertragsverlängerung mit Manager August Zügel laufen?

S.I.: Ich fühle mich grundsätzlich beim BSC sehr wohl und habe diese Saison noch einiges vor mit dem Team, jedoch möchte jeder Fußballer so hoch wie möglich spielen und deshalb werden wir sehen, was die Zukunft über den Sommer hinaus mit sich bringt.

SDP: August Zügel wurde in der Pressemitteilung im Sommer 2015 - Neuzugang Ilhan - mit folgenden Worten kommentiert: „Serhat ist schnell, spielstark und bringt sehr viel Potenzial mit". Der "Profi" liegt mit seinen Einschätzungen selten daneben?

S.I.: Daran kann ich mich noch gut erinnern. Seine ersten Worte über mich und auch an das Vertrauen an mich. Er hat mir von Anfang an klargemacht , dass er von mir überzeugt ist und das sorgte natürlich dafür, dass ich mit sehr viel Selbstvertrauen gestartet bin. Ich denke, dass ich mich sehr gut entwickelt habe, und auch erfahrungsgemäß mittlerweile zu den etablierten Spielern zähle. Ich denke, dass August Zügel so etwas nicht sagen würde, wenn es nicht so wäre.

SDP: Doch nun zum aktuellen Spielbetrieb: Wie siehst Du den bisherigen und weiteren Saisonverlauf? Hat man die Toyota-Werbung im Hinterkopf: "Nichts ist unmöglich?"

S.I.: Bisher spielen wir als Mannschaft eine sehr gute Runde. Wir haben die Phase, in der wir ein paar Punkte liegen lassen haben, gut überstanden und sind auf einem sehr guten Weg. Wir probieren auf jeden Fall das Maximale aus uns rauszuholen, um so viele Punkte wie möglich einzufahren. Natürlich ist alles möglich, wenn man Gas gibt und fokussiert ist.

SDP: Speziell bei den Spielen nach der Winterpause entstand bei uns der Eindruck, Serhat Ilhan ist auf dem Weg vom Torvorbereiter zum Torjäger. Liegen wir richtig?

S.I.: Ja, so kann man es auch sehen. Ich bereite gerne Tore vor und freue mich genauso sehr, wenn einer aus der Mannschaft trifft, wie wenn ich es selbst treffe. Dadurch, dass wir in einer neuen Formation spielen, werde ich ganz vorne eingesetzt. Durch die Position stehe ich näher zum Tor und suche das Tor viel öfter als zuvor.

'Mane hat in diesem Spiel einfach gezeigt, dass Geschwindigkeit und Beweglichkeit die wichtigsten Faktoren im Fußball derzeit sind."

Vollgas, mit Blick zum Tor: Serhat Ilhan. Bild (Archiv): Claus G. Stoll

SDP: Wer hat an der Schraube gedreht? Das Trainer-Duo? Sondertraining?

S.I.: Das Trainer-Duo probiert das Maximale aus mir rauszuholen und fordert mich sehr. Ich kann mich an die Nachricht von Axel erinnern, als Bayern gegen Benfica im November gespielt hat und Axel mir nach dem Tor von Robben geschrieben hat: „Ich hoffe, Du hast das Tor von Robben gesehen“. Er vergleicht mich gerne mit Robben, nur das Robben viel öfter das Tor sucht. Manchmal kriege ich Ärger, wenn ich 17, 18 Meter vor dem Tor noch einen Doppelpass suche, oder auch im Strafraum, wenn ich nicht mal aufs Tor schieße.

SDP: Grundvoraussetzung für eine Top-Leistung ist die körperliche Fitness. Es gab Zeiten, speziell im Regionalligajahr, da warst Du teilweise mehr in der Praxis von Doc Volker Fass als auf dem Rasen. Das Kreuz mit dem Knie? Alles wieder stabil?

S.I.: Ich habe viel aus meinen Verletzungen gelernt und achte mittlerweile sehr auf meine Gesundheit und auf meine körperliche Fitness. Dazu gehört eine gute Ernährung, sowie auch ein geregelter Schlafrhythmus und Physiotherapie. Die Einheiten mit Uli (Hanser/die Redaktion) im Fitnessraum im Kaiserstuhlstadion sind natürlich auch ein Bonus für die körperliche Fitness und dadurch entsteht auch weniger Verletzungsgefahr.

Serhat Ilhan, Bahlinger SC. Bild (Archiv): Claus G. Stoll

SDP: Deine Einschätzung zum derzeitigen Kader im Vergleich mit dem Regionalligajahr - leistungsmässig bzw. in der Breite?

S.I.: Das sind zwei sehr unterschiedliche Kader, die man schwer vergleichen kann. Jedoch denke ich, dass wir dieses Jahr sehr viele junge Spieler haben, die sich sehr gut in der Mannschaft eingefunden haben. Die Jungen haben sehr viel Potenzial und haben die Mannschaft qualitativ gestärkt. Die Zukunft des Bahlinger SC ist in guten Händen.

SDP: Mit 22 Jahren zählst Du fast noch als Nachwuchstalent. Man darf noch Träume haben. Mit dem BSC nochmal der Aufstieg in die Regionalliga?

S.I.: Natürlich hat man als Spieler jede Saison Ziele und meine Zielen sind jedes Jahr ganz oben mitzuspielen.
Ich glaube daran, dass mit dieser Mannschaft noch sehr viel möglich ist. Gegenfrage: Wieso auch nicht?!

SDP: Der Blick auf das nächste Spiel. Aufsteiger TSV Ilshofen, derzeit wohl eine "Wundertüte". 0:3 im Hinspiel in Bahlingen, 0:5 in Oberachern und nunmehr 3:0 beim Derby in Göppingen. Dennis Bührer und Axel Siefert werden warnend den Zeigefinger heben?


S.I.: Ja klar! Wir wurden von unserem Trainerteam gewarnt, dass Illshofen eine unberechenbare Mannschaft ist, die einen sehr guten Fußball spielt. Jedoch wissen wir auch als Team, dass wir jedes Spiel mit 100% Einsatz angehen müssen und wir uns jede Woche aufs neue beweisen müssen. Da ist es egal, wie der Gegner heißt, oder wer der Gegner ist.

SDP: Mit einem Auswärtserfolg könnte man die Werbetrommel für das Derby gegen Linx in der folgenden Woche rühren?

S.I.: Ein Auswärtssieg wäre super von dem Spiel gegen Linx, gegen die wir noch eine Rechnung aus der Hinrunde offen haben.

Serhat Ilhan, Bahlinger SC. Bild (Archiv): Claus G. Stoll

SDP: Am Mittwochabend das Viertelfinale in München. Verdienter Sieg das Team von "Kloppo". Der Gästesturm derzeit wohl weltweit allererste Sahne: Mané, Salah oder Firmino. Wie siehst Du die Reihenfolge in Sachen Leistungsstärke?

S.I.: Mir gefällt Salah sehr, aber wenn ich nach der Leistungsstärke entscheiden sollte, dann ist die Reihenfolge
für mich Mane, Salah und Firmino.

SDP: Vor zwei, drei Jahren hast Du bei einem Gastspiel in Kippenheim den Torjäger Ümit Sen, ebenfalls mit deutsch-türkischer Staatsbürgerschaft, kennengelernt. Er hat den Sprung von der KL A in die VL gewagt und spielt beim SC Lahr. Gibt es noch Kontakte?

S.I.: Ich finde es klasse, was für einen Sprung er in so einer kurzen Zeit gemacht hat. Ab und zu, wenn wir uns sehen, entstehen sehr gute und auch witzige Gespräche, aber privat kam es „noch“ nicht dazu, dass wir mal etwas unternommen haben.

Serhat Ilhan, Bahlinger SC. Bild (Archiv): Claus G. Stoll

SDP: Serhat, tausend Dank für Deine Worte. Wir wünschen Dir eine weiterhin erfolgreiche Saison mit einem - vielleicht - krönenden Höhepunkt am letzten Spieltag. 

Autor: Thomas Rieger

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